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Mikrobiota und Krankheiten: Was die Forschung heute zeigt

Die Forschung untersucht, wie die Darmmikrobiota mit Verdauung, Stoffwechsel, Immunsystem und der Darm-Hirn-Achse zusammenhängt. Dieser Überblick erklärt, bei welchen Erkrankungen Veränderungen des Mikrobioms beobachtet werden, was Mikrobiom-Tests leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Außerdem erfahren Sie, welche Rolle Ernährung, Probiotika und Fäkalmikrobiota-Transplantationen spielen und warum solche Ansätze keine ärztliche Diagnose oder Behandlung ersetzen.
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Kurz gesagt: Die Forschung bringt Veränderungen der Mikrobiota mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung, darunter einige Darmkrankheiten, Stoffwechselstörungen und immunvermittelte Erkrankungen. Meist ist jedoch noch nicht geklärt, ob eine veränderte Darmflora eine Ursache, eine Folge oder lediglich ein Begleitmerkmal ist. Mikrobiom-Tests können Forschungs- und Gesundheitsinformationen liefern, ersetzen aber keine ärztliche Untersuchung.

In diesem Artikel erfahren Sie, was Mikrobiota und Mikrobiom bedeuten, welche Störungen untersucht werden, wie Darmmikrobiom-Tests funktionieren und welche Möglichkeiten und Grenzen mikrobiombasierte Therapien haben.

Mikrobiota und Mikrobiom: Was ist der Unterschied?

Als Mikrobiota bezeichnet man die Gemeinschaft von Mikroorganismen, die in und auf unserem Körper leben. Dazu gehören vor allem Bakterien, aber auch Viren, Pilze und Archaeen. Das größte und am intensivsten untersuchte Ökosystem befindet sich im Darm.

Der Begriff Mikrobiom beschreibt häufig die Gesamtheit der Gene dieser Mikroorganismen. Im Alltag werden beide Begriffe jedoch oft ähnlich verwendet. Die Darmmikrobiota steht unter anderem mit der Verdauung, der Bildung bestimmter Stoffwechselprodukte, der Darmbarriere und der Regulation von Immunreaktionen in Verbindung. Sie ist ein dynamisches Ökosystem und kann sich beispielsweise durch Ernährung, Medikamente, Infektionen, Stress, Alter und Lebensstil verändern.


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Welche Störungen können im Mikrobiom auftreten?

Eine mögliche Störung wird als Dysbiose bezeichnet. Gemeint sind Veränderungen in der Zusammensetzung oder Funktion einer mikrobiellen Gemeinschaft, etwa eine geringere Vielfalt oder ein verändertes Verhältnis bestimmter Mikroorganismen. Es gibt jedoch keinen einzigen, für alle Menschen gültigen Wert für ein gesundes Mikrobiom. Die Zusammensetzung hängt unter anderem von Ernährung, Herkunft, Alter und medizinischer Vorgeschichte ab.

Dysbiose ist kein eigenständiger Befund, mit dem sich automatisch eine Krankheit diagnostizieren lässt. Studien beobachten solche Veränderungen bei verschiedenen Erkrankungen, doch aus einem einzelnen Mikrobiom-Profil lässt sich in der Regel weder die Ursache noch der individuelle Krankheitsverlauf sicher ableiten.

Bei welchen Krankheiten wird die Mikrobiota erforscht?

Darmerkrankungen

Bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wurden in Studien unter anderem Veränderungen der mikrobiellen Vielfalt und der Stoffwechselaktivität beobachtet. Auch beim Reizdarmsyndrom, bei Durchfall und Verstopfung wird die Zusammensetzung der Darmmikrobiota untersucht. Diese Ergebnisse können helfen, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen. Sie sind derzeit jedoch nicht ausreichend, um eine Diagnose allein anhand eines kommerziellen Mikrobiom-Tests zu stellen.


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Bei wiederkehrenden Infektionen mit Clostridioides difficile ist der Zusammenhang mit einer gestörten Darmgemeinschaft besonders gut untersucht. Eine Antibiotikabehandlung kann die Vielfalt der Darmmikroorganismen verringern und dadurch das Wachstum dieses Erregers begünstigen. Die Behandlung gehört in ärztliche Hände.

Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit

Veränderungen der Darmmikrobiota werden auch im Zusammenhang mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Fettleber und dem metabolischen Syndrom erforscht. Mögliche Erklärungen betreffen unter anderem die Verarbeitung von Ballaststoffen, kurzkettige Fettsäuren und die Kommunikation zwischen Darm, Leber und Immunsystem. Die Daten zeigen Zusammenhänge, beweisen aber nicht, dass ein bestimmtes Bakterium allein eine Stoffwechselerkrankung verursacht.

Auch Stoffwechselprodukte wie Trimethylamin-N-oxid, kurz TMAO, werden im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Die Entstehung und Bedeutung solcher Verbindungen hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Ein Mikrobiom-Test kann deshalb keine individuelle Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos ersetzen.

Immunsystem, Allergien und Autoimmunerkrankungen

Die Darmmikrobiota steht in engem Kontakt mit dem Immunsystem. Forschende untersuchen, wie mikrobielle Stoffwechselprodukte und die Darmbarriere an der Entwicklung von Toleranz oder Entzündungsreaktionen beteiligt sein könnten. Beobachtete Zusammenhänge gibt es unter anderem bei Allergien, Asthma, rheumatoider Arthritis, Typ-1-Diabetes und Multipler Sklerose.

Diese Forschung ist vielversprechend, aber noch nicht gleichbedeutend mit einer wirksamen Behandlung durch eine gezielte Veränderung der Darmflora. Autoimmunerkrankungen und Allergien sollten immer medizinisch abgeklärt und nach anerkannten Behandlungsempfehlungen versorgt werden.

Darm-Hirn-Achse und psychische Gesundheit

Die sogenannte Darm-Hirn-Achse beschreibt die wechselseitige Kommunikation zwischen Verdauungssystem, Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel. Bei Depressionen, Angststörungen, Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen werden Unterschiede in der Mikrobiota erforscht. Derzeit ist nicht ausreichend belegt, dass eine Veränderung der Darmflora allein diese Erkrankungen verursacht oder zuverlässig behandelt.

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Welche vier Krankheiten werden durch Bakterien verursacht?

Bakterien können bestimmte Infektionen verursachen, zum Beispiel eine Salmonellose, eine Harnwegsinfektion durch bestimmte Bakterien, Keuchhusten oder eine wiederkehrende Clostridioides-difficile-Infektion. Das ist etwas anderes als die Forschung zu Mikrobiota und chronischen Erkrankungen: Bei diesen werden häufig statistische Zusammenhänge mit Veränderungen der gesamten mikrobiellen Gemeinschaft untersucht.

Ein einzelnes Bakterium im Darm ist daher nicht automatisch krankmachend. Ob Bakterien eine Infektion auslösen, hängt unter anderem von der Art oder dem Stamm, der Menge, der Immunabwehr und dem Ort des Vorkommens ab. Bei Fieber, Blut im Stuhl, starken Schmerzen, Austrocknung oder anhaltendem Durchfall ist zeitnah ärztlicher Rat erforderlich.

Wie funktionieren Mikrobiom-Tests?

Bei einem Darmmikrobiom-Test wird meist eine Stuhlprobe untersucht. Je nach Verfahren können dabei bestimmte bakterielle Gruppen über 16S-rRNA-Sequenzierung oder die Gesamtheit der in der Probe nachweisbaren DNA über eine metagenomische Analyse erfasst werden. Die Ergebnisse beschreiben eine Momentaufnahme der untersuchten Probe.

Ein Anbieter wie InnerBuddies kann Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Analyse und ernährungsbezogene Hinweise anbieten. Solche Tests können das Verständnis für Ernährung und Darmgesundheit unterstützen. Ihre Ergebnisse sind jedoch nicht automatisch medizinische Diagnosen. Referenzwerte, Probenentnahme, Medikamente und die Auswertung unterscheiden sich je nach Test.

  • Ein Test kann Hinweise auf die nachgewiesene Zusammensetzung geben.
  • Er kann nicht sicher feststellen, ob eine Krankheit vorliegt oder künftig entsteht.
  • Er kann keine Darmspiegelung, Blutuntersuchung oder ärztliche Diagnose ersetzen.
  • Ein einzelnes Ergebnis sollte nicht zu eigenständigem Absetzen von Medikamenten oder zu restriktiven Diäten führen.

Was kann die Darmmikrobiota beeinflussen?

Die Ernährung ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Einflussfaktor. Für viele Menschen ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen eine gute Grundlage. Ballaststoffe dienen zahlreichen Darmbakterien als Substrat. Eine schrittweise Steigerung und ausreichendes Trinken können sinnvoll sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen.

Auch regelmäßige Bewegung, Schlaf, Stressmanagement und ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika spielen eine Rolle. Antibiotika sollten nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Eine Ernährungsumstellung kann Beschwerden bei manchen Menschen beeinflussen, ist aber keine pauschale Behandlung für eine diagnostizierte Erkrankung.


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Welche Rolle spielen Probiotika?

Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die bei ausreichender Aufnahme einen gesundheitlichen Nutzen haben können. Ihre Wirkung ist abhängig vom konkreten Stamm, der Dosierung, dem Anwendungsgebiet und der jeweiligen Person. Ein beliebiges Probiotikum ist daher nicht automatisch für jede Beschwerde geeignet.

Bei Colitis ulcerosa werden bestimmte Probiotika und Bakterienmischungen in Studien untersucht. Die Ergebnisse sind je nach Präparat und Situation unterschiedlich. Probiotika sollten bei Colitis ulcerosa nicht eigenständig als Ersatz für die verordnete Therapie eingesetzt werden. Besprechen Sie die Auswahl mit einer gastroenterologischen Praxis, besonders bei einem geschwächten Immunsystem, schweren Erkrankungen oder während einer immunsuppressiven Behandlung.

Mikrobiom-Therapien: Was ist bereits etabliert?

Die Fäkalmikrobiota-Transplantation, kurz FMT, überträgt aufbereitete Darmmikroorganismen einer sorgfältig untersuchten Spenderperson. Sie wird vor allem bei bestimmten wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen eingesetzt, wenn eine ärztliche Indikation besteht. Das Verfahren muss unter medizinischer Aufsicht und mit geeigneter Erregerkontrolle erfolgen.

FMT, sogenannte Next-Generation-Mikrobiota-Produkte, gezielte Präbiotika, Probiotika, Synbiotika und Bakteriophagen werden für weitere Erkrankungen erforscht. Dazu gehören unter anderem Colitis ulcerosa, Stoffwechselstörungen und neurologische Erkrankungen. Für viele dieser Anwendungsgebiete sind Sicherheit, optimale Dosierung und langfristiger Nutzen noch nicht abschließend geklärt.

Welche Gesundheitsrisiken sind mit dem Mikrobiom verbunden?

Das Mikrobiom selbst ist kein einheitlicher Risikofaktor. Gesundheitsrelevant können vielmehr bestimmte Infektionen, die Folgen einer gestörten Darmbarriere oder Veränderungen mikrobieller Stoffwechselwege sein. Risiken entstehen außerdem, wenn Menschen Testergebnisse überinterpretieren, unnötige Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder medizinische Behandlungen zugunsten nicht ausreichend geprüfter Mikrobiom-Angebote abbrechen.

Bei neuen oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Das gilt besonders bei Blut im Stuhl, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, hohem Fieber, nächtlichen Beschwerden, starken oder zunehmenden Schmerzen, wiederholtem Erbrechen oder Zeichen von Flüssigkeitsmangel.

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Was bedeutet die Forschung für die Zukunft?

Die Mikrobiota-Forschung kann neue Biomarker, Medikamente und individuellere Ernährungskonzepte hervorbringen. Dafür müssen Studien untereinander besser vergleichbar werden und den Einfluss von Ernährung, Medikamenten, Genetik und Lebensumständen berücksichtigen. Ein aussagekräftiger Ansatz wird wahrscheinlich nicht nur einzelne Bakterien zählen, sondern auch deren Funktionen und Stoffwechselprodukte untersuchen.

Bis dahin sind Mikrobiom-Informationen am nützlichsten als ergänzende Orientierung. Sie können Anlass sein, die eigene Ernährung und den Lebensstil bewusst zu betrachten, sollten aber nicht als alleinige Grundlage für eine Diagnose oder Therapieentscheidung dienen.

Häufige Fragen

Kann ein Mikrobiom-Test Krankheiten erkennen?

Ein Mikrobiom-Test kann bestimmte Mikroorganismen oder mikrobielle Muster in einer Probe beschreiben. Er kann eine Krankheit jedoch nicht zuverlässig allein diagnostizieren und ersetzt keine medizinische Untersuchung.

Helfen Probiotika bei Colitis ulcerosa?

Bestimmte Probiotika werden bei Colitis ulcerosa untersucht und können in einzelnen Situationen unterstützend infrage kommen. Die Wirkung ist nicht für alle Präparate gleich. Eine Einnahme sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden und keine verordnete Therapie ersetzen.

Kann man eine Dysbiose selbst behandeln?

Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf können die allgemeine Darmgesundheit unterstützen. Bei anhaltenden Beschwerden sollte zuerst die Ursache medizinisch abgeklärt werden. Vermeiden Sie extreme Diäten und eigenständige Therapieänderungen.

Ist die Darmmikrobiota für jeden Menschen gleich?

Nein. Die Zusammensetzung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und verändert sich im Lauf des Lebens. Es gibt deshalb kein allgemeingültiges Idealprofil, das allein aus einem Testbericht abgeleitet werden kann.Fazit

Die Forschung zeigt zahlreiche Zusammenhänge zwischen Mikrobiota und Krankheiten, besonders bei Darm-, Stoffwechsel- und immunvermittelten Erkrankungen. Sie erklärt zunehmend, wie Mikroorganismen und ihre Stoffwechselprodukte mit dem Körper kommunizieren. Viele Ergebnisse befinden sich jedoch noch in der Forschung. Mikrobiom-Tests, Probiotika und andere Ansätze können interessant sein, sollten aber fachlich eingeordnet und nicht als Ersatz für eine medizinische Versorgung verstanden werden.

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