IBD-Diagnose: Untersuchungen und Ablauf verständlich erklärt
Die IBD-Diagnose erfolgt nicht anhand eines einzelnen Tests. Ärztinnen und Ärzte kombinieren die Krankengeschichte und körperliche Untersuchung mit Blut- und Stuhltests. Je nach Befund folgen eine Darmspiegelung mit Gewebeproben und bildgebende Verfahren. So lässt sich besser beurteilen, ob eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegt und welche anderen Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Dieser Überblick erklärt die typischen Untersuchungsschritte. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei anhaltendem Durchfall, Blut im Stuhl, starken Schmerzen, Fieber, deutlichem Gewichtsverlust oder einer raschen Verschlechterung sollten Sie zeitnah ärztliche Hilfe suchen.
Was bedeutet IBD?
IBD steht für Inflammatory Bowel Disease, auf Deutsch chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Die wichtigsten Formen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide können in Schüben verlaufen und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Beim Morbus Crohn können verschiedene Abschnitte des Verdauungstrakts betroffen sein; die Entzündung kann tiefer in die Darmwand reichen. Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm und beginnt typischerweise im Enddarm, wobei vor allem die Schleimhaut entzündet ist.
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IBD ist nicht dasselbe wie das Reizdarmsyndrom. Beim Reizdarmsyndrom stehen Beschwerden ohne den für IBD typischen Nachweis einer sichtbaren oder messbaren Entzündung im Vordergrund. Eine sichere Unterscheidung kann jedoch nur durch eine medizinische Untersuchung erfolgen.
Wie läuft die IBD-Diagnose ab?
1. Anamnese und körperliche Untersuchung
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es unter anderem um:
- Dauer, Häufigkeit und Ausprägung von Durchfall
- Blut oder Schleim im Stuhl
- Bauchschmerzen, nächtliche Beschwerden und Stuhldrang
- ungewollten Gewichtsverlust, Müdigkeit und Fieber
- frühere Infektionen, Reisen und Ernährungsumstellungen
- Medikamente, zum Beispiel bestimmte Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR
- familiäre Fälle von IBD oder anderen Darmerkrankungen
Auch Beschwerden außerhalb des Darms können wichtig sein, etwa Gelenkschmerzen, Hautveränderungen oder Augenentzündungen. Bei der körperlichen Untersuchung werden unter anderem der Bauch abgetastet und je nach Situation weitere Untersuchungen durchgeführt.
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2. Blutuntersuchungen: Welche Blutwerte sind bei Darmentzündung typisch?
Blutwerte können Hinweise auf eine Entzündung oder ihre Folgen geben, beweisen eine IBD aber nicht allein. Häufig werden unter anderem bestimmt:
- C-reaktives Protein (CRP) und gegebenenfalls die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) als allgemeine Entzündungswerte
- das Blutbild, um beispielsweise eine Blutarmut oder Veränderungen der weißen Blutkörperchen zu erkennen
- Eisen beziehungsweise Ferritin sowie je nach Situation Vitamin B12 und Folsäure
- Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte zur allgemeinen Beurteilung und als Ausgangswerte für die weitere Behandlung
Normale Entzündungswerte schließen eine IBD nicht sicher aus, insbesondere bei begrenzter oder milder Aktivität. Erhöhte Werte können außerdem viele andere Ursachen haben. Die Ergebnisse müssen deshalb immer zusammen mit den Beschwerden und weiteren Untersuchungen bewertet werden.
3. Stuhluntersuchungen
Eine Stuhluntersuchung hilft, eine Darmentzündung von anderen Beschwerdeursachen abzugrenzen. Das fäkale Calprotectin ist ein Entzündungsmarker im Stuhl. Ein erhöhter Wert kann für eine entzündliche Aktivität im Darm sprechen, ist aber nicht spezifisch für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Je nach Situation können weitere Marker wie Lactoferrin untersucht werden.
Zusätzlich können Stuhlproben auf bakterielle oder parasitäre Infektionen getestet werden. Das ist wichtig, weil Infektionen ähnliche Beschwerden verursachen können und vor einer Behandlung andere Ursachen berücksichtigt werden müssen.
4. Darmspiegelung mit Biopsien
Die Koloskopie, also die Darmspiegelung, ist ein zentraler Bestandteil der IBD-Diagnostik. Dabei wird die Schleimhaut des End- und Dickdarms direkt betrachtet. Mögliche Auffälligkeiten sind Rötungen, Erosionen, Geschwüre, eine veränderte Gefäßzeichnung oder eine leicht verletzliche Schleimhaut.
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Bei Verdacht auf einen Befall des oberen Verdauungstrakts kann zusätzlich eine Gastroskopie sinnvoll sein. Bei Kindern und Jugendlichen oder bei besonderen Fragestellungen gelten teilweise andere Untersuchungsabläufe.
5. Bildgebung für Darmwand und angrenzendes Gewebe
Eine Endoskopie zeigt vor allem die innere Oberfläche des Darms. Bildgebende Verfahren können ergänzend die Darmwand und das umliegende Gewebe beurteilen:
- Die MRT-Enterographie kann zum Beispiel Wandverdickungen, Verengungen, Fisteln oder Abszesse sichtbar machen und kommt ohne Röntgenstrahlung aus.
- Ein Ultraschall ist strahlungsfrei und schnell verfügbar. Die Aussagekraft hängt unter anderem von der untersuchten Region und der Erfahrung der untersuchenden Person ab.
- Eine CT kann in bestimmten Situationen, insbesondere bei akuten Fragestellungen, eingesetzt werden. Dabei wird die Strahlenbelastung gegen den erwarteten Nutzen abgewogen.
Welche Untersuchung geeignet ist, hängt von den Beschwerden, den bisherigen Ergebnissen, dem Alter und der konkreten medizinischen Fragestellung ab.
6. Andere Ursachen abklären
Die Diagnose entsteht aus dem Gesamtbild. Häufig müssen beispielsweise Infektionen, Zöliakie, Durchblutungsstörungen des Darms, medikamentenbedingte Schleimhautschäden und andere entzündliche oder funktionelle Erkrankungen berücksichtigt werden. Deshalb kann die Abklärung mehrere Termine und Untersuchungen umfassen.
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Die Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stützt sich vor allem auf die Verteilung und das Aussehen der Entzündung, die Tiefe der Veränderungen, die Histologie sowie den Verlauf. In manchen Fällen bleibt die Einordnung zunächst unklar und wird im weiteren Verlauf überprüft.
Was ist ein IBD-Schub?
Als Schub wird eine Phase mit stärkerer Krankheitsaktivität bezeichnet. Mögliche Beschwerden sind häufiger Durchfall, Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, Fieber oder ausgeprägte Müdigkeit. Zwischen aktiven Phasen können ruhigere Zeiträume liegen. Für die Beurteilung der Aktivität werden neben den Symptomen häufig Blutwerte, fäkales Calprotectin und gegebenenfalls endoskopische oder bildgebende Kontrollen herangezogen.
Ist IBD heilbar?
Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung gilt derzeit im Allgemeinen nicht als dauerhaft heilbar. Mit einer individuell abgestimmten Behandlung können jedoch bei vielen Betroffenen beschwerdearme Phasen und eine Kontrolle der Entzündung erreicht werden. Ziel und Therapie hängen unter anderem von der Erkrankungsform, dem Befallsmuster und der Aktivität ab.
Zur Behandlung können ärztlich verordnete Medikamente, eine angepasste Ernährung und in bestimmten Situationen operative Verfahren gehören. Ernährungsänderungen oder Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht eigenständig an die Stelle einer medizinischen Behandlung treten. Medikamente sollten nur nach Rücksprache verändert oder abgesetzt werden.
Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?
Mikrobiom-Analysen gehören nicht zur Standarddiagnostik von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Ein kommerzieller Mikrobiomtest kann eine medizinische Diagnose weder bestätigen noch ausschließen und ersetzt keine Blut-, Stuhl-, Endoskopie- oder Bildgebungsuntersuchung. Ergebnisse sollten, wenn überhaupt, nur mit qualifiziertem medizinischem Personal eingeordnet werden.
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Für was steht IBD?
IBD steht für Inflammatory Bowel Disease. Der deutsche Begriff lautet chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Dazu zählen vor allem Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Kann man IBD ohne Darmspiegelung feststellen?
Blut- und Stuhltests sowie Bildgebung können wichtige Hinweise liefern. Für die sichere Einordnung sind jedoch je nach Situation eine Darmspiegelung und Gewebeproben besonders wichtig. Ob und wann eine Endoskopie notwendig ist, entscheidet das behandelnde Fachteam.
Was hilft bei IBD beim Hund?
Diese Seite bezieht sich auf IBD beim Menschen. Bei einem Hund mit anhaltendem Durchfall, Erbrechen, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt die Ursache abklären. Futterumstellungen, Medikamente oder Ergänzungsmittel sollten bei Hunden nur nach tierärztlicher Empfehlung eingesetzt werden, da die Ursachen und Behandlungen unterschiedlich sein können.
Wie lange dauert die IBD-Diagnose?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Bei deutlichen Befunden kann die Abklärung relativ zügig erfolgen. Bei schleichenden Beschwerden, widersprüchlichen Ergebnissen oder notwendigen Zusatzuntersuchungen kann sie länger dauern. Fragen Sie das medizinische Team, welche Ergebnisse noch ausstehen und wann eine Kontrolle geplant ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die IBD-Diagnose basiert auf Beschwerden, Untersuchung, Blut- und Stuhltests sowie je nach Situation Endoskopie und Bildgebung.
- CRP, BSG, Blutbild und Eisenstatus können Hinweise auf Entzündung oder deren Folgen geben, sind aber nicht allein beweisend.
- Fäkales Calprotectin kann eine entzündliche Aktivität im Darm anzeigen, ist jedoch nicht spezifisch für IBD.
- Biopsien aus der Darmspiegelung helfen bei der mikroskopischen Beurteilung und Abgrenzung anderer Ursachen.
- Bei anhaltenden, starken oder sich verschlechternden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung wichtig.