IBD-Biomarker: Blut- und Stuhltests richtig einordnen
Kurzantwort: IBD-Biomarker können Hinweise auf eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa liefern. Besonders häufig werden fäkales Calprotectin und Lactoferrin im Stuhl sowie CRP im Blut bestimmt. Sie zeigen jedoch nicht allein, ob eine IBD vorliegt. Für die Diagnose werden Beschwerden, Untersuchung, Laborwerte, Bildgebung und meist eine Koloskopie mit Gewebeproben zusammen beurteilt.
Was sind IBD-Biomarker?
Biomarker sind messbare biologische Merkmale, die bei der medizinischen Beurteilung einer Erkrankung helfen können. Bei entzündlichen Darmerkrankungen, kurz IBD, dienen sie vor allem dazu, Entzündungszeichen zu erkennen, die Dringlichkeit einer weiteren Abklärung einzuschätzen und den Verlauf zu beobachten.
Ein Biomarker ist dabei kein Beweis für eine bestimmte Erkrankung. Erhöhte Werte können auch andere Ursachen haben, während normale Werte eine IBD nicht in jeder Situation sicher ausschließen. Die Bedeutung hängt unter anderem von Beschwerden, Alter, Medikamenten, Begleiterkrankungen und dem verwendeten Laborverfahren ab.
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Die wichtigsten Blut- und Stuhlmarker im Überblick
Fäkales Calprotectin
Fäkales Calprotectin ist ein Eiweiß, das bei der Aktivierung bestimmter Immunzellen im Darm freigesetzt wird. Der Wert wird in einer Stuhlprobe gemessen und kann auf eine Entzündung der Darmschleimhaut hinweisen. Deshalb wird Calprotectin häufig als nicht invasiver Test eingesetzt, wenn zwischen einer entzündlichen Darmerkrankung und funktionellen Beschwerden wie einem Reizdarmsyndrom unterschieden werden soll.
Calprotectin ist jedoch nicht spezifisch für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Auch beispielsweise Infektionen, bestimmte Medikamente oder andere Erkrankungen können den Wert beeinflussen. Ein einzelnes Ergebnis sollte daher immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden.
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CRP
Das C-reaktive Protein, kurz CRP, wird im Blut gemessen. Es reagiert auf Entzündungsprozesse im Körper und kann bei aktiver IBD erhöht sein. Der Wert ist allerdings nicht darm- oder IBD-spezifisch. Außerdem kann CRP bei manchen Menschen mit IBD trotz vorhandener Darmentzündung nur wenig oder gar nicht erhöht sein.
Lactoferrin im Stuhl
Lactoferrin ist ein weiterer Stuhlmarker, der mit der Aktivität von Immunzellen im Darm zusammenhängt. Ein erhöhter Wert kann eine entzündliche Aktivität unterstützen, ist aber ebenfalls kein alleiniger Nachweis für IBD. In der Praxis richtet sich die Auswahl des Tests nach der klinischen Situation und der ärztlichen Einschätzung.
Weitere Blutwerte
- Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): ein allgemeiner Entzündungsmarker, der langsamer reagiert als CRP und nicht spezifisch für den Darm ist.
- Blutbild: Eine Anämie oder erhöhte Zahl bestimmter Blutzellen kann bei chronischer Entzündung, Blutverlust oder anderen Ursachen auftreten.
- Thrombozyten: Erhöhte Werte können mit Entzündungen verbunden sein, sind aber nicht beweisend.
- Albumin: Ein niedriger Wert kann unter anderem bei ausgeprägter Entzündung, eingeschränkter Nährstoffaufnahme oder anderen Erkrankungen vorkommen.
- Weitere Basisuntersuchungen: Je nach Situation können zusätzliche Blut- und Stuhltests erforderlich sein, etwa zum Ausschluss einer Infektion oder zur Beurteilung von Mangelzuständen.
Welcher Test ist bei Verdacht auf IBD am aussagekräftigsten?
Für die nicht invasive Einschätzung einer aktiven Darmentzündung ist fäkales Calprotectin ein häufig verwendeter und nützlicher Stuhltest. Es kann helfen zu entscheiden, ob eine weiterführende Untersuchung sinnvoll ist. Der Test diagnostiziert jedoch weder Morbus Crohn noch Colitis ulcerosa allein.
Die endgültige Abklärung erfolgt aus mehreren Bausteinen. Dazu gehören Anamnese und körperliche Untersuchung, Blut- und Stuhltests, je nach Fragestellung Ultraschall oder andere Bildgebung sowie eine endoskopische Untersuchung. Bei einer Koloskopie können Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht werden.
Koloskopie mit Biopsie: ein zentraler Bestandteil der Diagnostik
Eine Koloskopie mit Biopsien ermöglicht die direkte Beurteilung der Darmschleimhaut und der entnommenen Gewebeproben. Sie gilt als zentraler diagnostischer Bestandteil bei Verdacht auf eine IBD, ist aber nicht in jeder Situation der erste Untersuchungsschritt und nicht für alle Formen der Erkrankung allein ausreichend. Bei Beschwerden im Dünndarm können weitere Verfahren erforderlich sein.
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Wie lassen sich Calprotectin-Werte einordnen?
Calprotectin wird in der Regel in Mikrogramm pro Gramm Stuhl (µg/g) angegeben. Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Labor, Testverfahren und klinischer Situation. Häufig werden niedrige Werte als unauffällig, grenzwertige Ergebnisse als kontroll- oder abklärungsbedürftig und deutlich erhöhte Werte als Hinweis auf eine mögliche organische Entzündung bewertet. Ein fester Wert, der allein als „alarmierend“ gilt, existiert deshalb nicht.
In vielen klinischen Schemata werden Werte von etwa 50 bis 120 µg/g als Grenzbereich und deutlich höhere Werte, beispielsweise über 250 µg/g, als stärker abklärungsbedürftig betrachtet. Diese Zahlen sind keine allgemeingültige Diagnosegrenze. Bei einem erhöhten Ergebnis kann die Ärztin oder der Arzt je nach Beschwerden eine Wiederholung, weitere Tests oder eine endoskopische Abklärung empfehlen.
Bei starken oder zunehmenden Bauchschmerzen, anhaltendem blutigem Durchfall, Fieber, deutlicher Schwäche, ungewolltem Gewichtsverlust oder Anzeichen einer Austrocknung sollte unabhängig vom Calprotectin-Wert zeitnah medizinische Hilfe gesucht werden.
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Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?
Das Darmmikrobiom umfasst die Gesamtheit der Mikroorganismen und ihrer genetischen Informationen im Darm. Bei Menschen mit IBD werden in Studien Veränderungen der mikrobiellen Zusammensetzung und des Zusammenspiels beschrieben. Daraus lässt sich bei einzelnen Personen jedoch noch kein sicherer Krankheitsnachweis ableiten.
Ein kommerzieller Mikrobiomtest kann eine Momentaufnahme der nachweisbaren Mikroorganismen liefern. Solche Ergebnisse sind derzeit nicht mit einer ärztlichen IBD-Diagnose gleichzusetzen und sollten nicht als Grundlage für das Absetzen von Medikamenten oder eine eigenständige Behandlung dienen.
Graph Neural Networks in der IBD-Forschung
Graph Neural Networks, kurz GNNs, sind Verfahren des maschinellen Lernens. Sie können Daten als Netzwerk darstellen: Knoten können beispielsweise für mikrobielle Gruppen stehen, während Kanten Beziehungen oder gemeinsame Muster abbilden. Dadurch lassen sich komplexe Zusammenhänge untersuchen, die mit der Analyse einzelner Bakterien möglicherweise nicht sichtbar werden.
In der Forschung könnten GNNs helfen, Mikrobiom-Merkmale als mögliche Biomarker-Kandidaten zu identifizieren oder bekannte klinische Daten zu ergänzen. Dafür müssen solche Modelle in unterschiedlichen Gruppen und unter realen Bedingungen geprüft werden. Ein Forschungsmodell oder ein Mikrobiomprofil ersetzt deshalb weder Calprotectin, CRP, eine Koloskopie noch die ärztliche Beratung.
Häufige Fragen zu IBD-Biomarkern
Welche Marker gibt es für IBD?
Zu den häufig genutzten Markern gehören fäkales Calprotectin und Lactoferrin im Stuhl sowie CRP und BSG im Blut. Blutbild, Thrombozyten und Albumin können zusätzliche Hinweise liefern. Keiner dieser Werte ist allein spezifisch genug, um eine IBD sicher zu diagnostizieren.
2-Minuten-Selbstcheck Ist ein Darmmikrobiom-Test sinnvoll für dich? Beantworte ein paar kurze Fragen und finde heraus, ob ein Mikrobiom-Test für dich wirklich sinnvoll ist. ✔ Dauert nur 2 Minuten ✔ Basierend auf deinen Symptomen & deinem Lebensstil ✔ Klare Ja/Nein-Empfehlung Prüfen, ob ein Test für mich sinnvoll ist →Was ist der genaueste Test zur Diagnose von IBD?
Es gibt keinen einzelnen Test, der jede IBD-Situation zuverlässig erfasst. Fäkales Calprotectin ist ein wichtiger nicht invasiver Hinweis auf eine mögliche aktive Darmentzündung. Für die diagnostische Abklärung sind jedoch die Kombination verschiedener Befunde und häufig eine Endoskopie mit Biopsien entscheidend.
Welcher Calprotectin-Wert ist alarmierend?
Die Bewertung hängt vom Labor, Testverfahren und den Beschwerden ab. Deutlich erhöhte Werte, etwa über 250 µg/g in manchen klinischen Einordnungen, sollten ärztlich abgeklärt werden. Sie beweisen keine IBD. Auch grenzwertige oder normale Werte müssen im Zusammenhang mit dem gesamten Krankheitsbild beurteilt werden.
Gibt es Biomarker für Morbus Crohn?
Calprotectin, CRP, Lactoferrin und weitere Laborwerte können bei Morbus Crohn Hinweise auf Entzündung oder Krankheitsaktivität geben. Sie sind jedoch nicht ausschließlich für Morbus Crohn spezifisch. Die Diagnose und die Einordnung der betroffenen Darmabschnitte erfordern eine umfassende ärztliche Untersuchung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fäkales Calprotectin ist ein hilfreicher nicht invasiver Marker für mögliche Darmentzündung.
- CRP, BSG, Blutbild, Thrombozyten und Albumin ergänzen die Beurteilung, sind aber unspezifisch.
- Eine IBD wird nicht durch einen einzelnen Blut- oder Stuhlwert diagnostiziert.
- Koloskopie, Biopsien und gegebenenfalls Bildgebung bleiben wichtige Bestandteile der Abklärung.
- Mikrobiomanalysen und GNNs sind interessante Forschungsansätze, derzeit aber kein Ersatz für etablierte Diagnostik.
Bei anhaltenden, starken oder sich verschlechternden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Die Ergebnisse von Biomarker- oder Mikrobiomtests sollten gemeinsam mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson eingeordnet werden.