Erhöhter Calprotectin-Wert: Was er aussagt und welche Ursachen infrage kommen
Ein erhöhter Calprotectin-Wert zeigt eine gesteigerte Aktivität von Neutrophilen im Darm an. Er ist kein Beweis für eine bestimmte Erkrankung, sondern ein Hinweis auf eine mögliche Entzündung. Für die Einordnung sind die Höhe des Wertes, der Verlauf über mehrere Messungen und die begleitenden Beschwerden entscheidend.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa korreliert Calprotectin oft mit der Krankheitsaktivität. Während eines Schubs sind die Werte häufig deutlich erhöht, in einer Remission können sie normal sein. Einen einzelnen Calprotectin-Wert, der Morbus Crohn sicher beweist, gibt es jedoch nicht. Werte über 200 µg/g machen eine aktive Entzündung wahrscheinlicher; die Diagnose erfordert weitere Untersuchungen wie eine Darmspiegelung mit Gewebeproben.
Kann Calprotectin bei Reizdarm erhöht sein?
Das Reizdarmsyndrom geht in der Regel nicht mit einer sichtbaren Entzündung der Darmschleimhaut einher, deshalb sind die Calprotectin-Werte bei IBS meist normal. Ein deutlich erhöhter Wert spricht eher für eine entzündliche Ursache und kann helfen, IBD von IBS abzugrenzen. Ein normaler Wert schließt eine IBD bei bestehenden Beschwerden allerdings nicht vollständig aus.
Weitere mögliche Auslöser
Neben entzündlichen Darmerkrankungen können auch infektiöse Darmerkrankungen, Zöliakie, die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und andere entzündliche oder Schleimhautveränderungen im Darm zu erhöhten Werten führen. Ein einzelner Wert erlaubt daher keine Rückschlüsse auf die Ursache.
Calprotectin bei Darmkrebs: Ist es ein Tumormarker?
Nein, Calprotectin ist kein Tumormarker. Es zeigt Entzündungen an und kann bei unterschiedlichen Erkrankungen erhöht sein, darunter auch bei einigen bösartigen Erkrankungen des Darms. Einen pauschalen Calprotectin-Wert, der auf Darmkrebs hinweist, gibt es nicht. Zur Krebsfrüherkennung und Tumordiagnostik werden andere Tests und Untersuchungen eingesetzt.
Calprotectin im Vergleich zu anderen Entzündungsmarkern
- CRP: wird im Blut gemessen und zeigt eine systemische Entzündung an, nicht spezifisch eine Entzündung im Darm.
- Lactoferrin: ebenfalls ein Stuhlmarker für neutrophile Aktivität, in der Aussagekraft mit Calprotectin vergleichbar.
- Okkultes Blut im Stuhl: weist auf Blutungen hin, nicht auf eine Entzündung.
- Mikrobiomtests: beschreiben die Zusammensetzung der Darmflora, messen aber keine Entzündungsmarker.
Calprotectin hat den Vorteil, dass es nicht-invasiv über eine Stuhlprobe bestimmt werden kann und im Stuhl relativ stabil bleibt. Für die Frage, ob eine Entzündung im Darm vorliegt, ist es damit oft aussagekräftiger als ein systemischer Blutmarker.