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Hoher Calprotectin-Wert: Ursachen und Bedeutung

Ein hoher Calprotectin-Wert im Stuhl weist auf eine mögliche Entzündung im Darm hin, ist aber keine eigenständige Diagnose. Häufige Ursachen sind aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Darminfektionen, Divertikulitis oder bestimmte Medikamente. Dieser Artikel erklärt die Bedeutung verschiedener Werte, beantwortet Fragen zu Ernährung und Darmspiegelung und zeigt, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
What diseases have high calprotectin

Ein hoher Calprotectin-Wert im Stuhl spricht für eine mögliche, vor allem durch neutrophile Abwehrzellen geprägte Entzündung im Darm. Häufige Ursachen sind aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Darminfektionen, Divertikulitis oder eine durch Medikamente begünstigte Darmschleimhautreizung. Der Wert zeigt jedoch nicht allein, welche Erkrankung vorliegt und ob eine Darmspiegelung notwendig ist. Dafür werden Beschwerden, Verlauf, Medikamente, weitere Untersuchungen und individuelle Risikofaktoren gemeinsam bewertet.

Was ist Calprotectin?

Calprotectin ist ein Eiweißkomplex aus S100A8 und S100A9. Er wird überwiegend von neutrophilen Granulozyten freigesetzt, die bei Verletzungen und Infektionen rasch in entzündetes Gewebe einwandern. Da Calprotectin im Stuhl relativ stabil bleibt, kann die Untersuchung eine nicht invasive Einschätzung der Entzündungsaktivität im Darm ermöglichen.

Fäkales Calprotectin wird häufig eingesetzt, um eine entzündliche Darmerkrankung von funktionellen Beschwerden wie dem Reizdarm abzugrenzen. Ein niedriger Wert kann in passendem klinischem Zusammenhang gegen eine ausgeprägte aktive Darmentzündung sprechen. Ein erhöhter Wert ist dagegen ein Hinweis, aber kein Beweis für eine bestimmte Erkrankung.


Welche Werte gelten als erhöht?

Die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor, Testmethode und Alter. Bei Erwachsenen werden häufig folgende Orientierungsbereiche verwendet:

  • Unter etwa 50 µg/g: meist unauffällig
  • Etwa 50 bis 200 oder 250 µg/g: grenzwertig oder leicht bis mäßig erhöht
  • Über etwa 200 bis 250 µg/g: deutlich erhöht und häufig weiter abklärungsbedürftig

Diese Grenzen sind keine allgemeingültige Diagnose. Bei Säuglingen und kleinen Kindern können die Werte physiologisch höher liegen. Auch eine kürzlich durchgemachte Infektion, Medikamente, Begleiterkrankungen und die natürliche Schwankung einer einzelnen Stuhlprobe beeinflussen die Interpretation. Bei einem unerwarteten oder grenzwertigen Ergebnis kann die behandelnde Praxis eine Kontrollmessung empfehlen.

Welche Krankheiten können Calprotectin erhöhen?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehören zu den häufigsten und wichtigsten Ursachen deutlich erhöhter Werte. Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wandern Entzündungszellen in die Darmschleimhaut ein. Das fäkale Calprotectin kann dabei mit der entzündlichen Aktivität zusammenhängen und zur Verlaufskontrolle beitragen. Es ersetzt jedoch weder die ärztliche Beurteilung noch bei Bedarf eine Endoskopie.

Darminfektionen und infektiöse Kolitis

Bakterielle Darminfektionen durch beispielsweise Campylobacter, Salmonellen, Shigellen, bestimmte E.-coli-Stämme oder Clostridioides difficile können den Wert deutlich erhöhen. Auch einige parasitäre Infektionen und stärkere Magen-Darm-Infektionen können eine Erhöhung verursachen. Bei Durchfall, Fieber, Blut im Stuhl oder einer kürzlichen Reise können Stuhltests auf Krankheitserreger helfen, eine Infektion von einem Schub einer chronischen Entzündung zu unterscheiden. Nach Abklingen der Infektion kann der Wert wieder sinken.

Divertikulitis

Bei einer akuten Divertikulitis können entzündliche Veränderungen an Ausstülpungen der Darmwand mit einem erhöhten Calprotectin einhergehen. Eine unkomplizierte Divertikulose ohne aktive Entzündung führt dagegen typischerweise nicht zu einer deutlichen Erhöhung.

Mikroskopische Kolitis

Bei lymphozytärer oder kollagener Kolitis kann der Wert normal oder leicht erhöht sein. Die Diagnose erfordert in der Regel Gewebeproben, weil die Darmschleimhaut bei einer Darmspiegelung mitunter unauffällig aussieht. Ein normaler Calprotectin-Wert schließt diese Erkrankung daher nicht sicher aus.

Ischämische Kolitis

Wenn ein Darmabschnitt vorübergehend zu wenig durchblutet wird, können Schleimhautschäden und Entzündungen entstehen. Dadurch kann Calprotectin ansteigen. Plötzliche Bauchschmerzen und Blut im Stuhl sollten zeitnah medizinisch beurteilt werden.

Medikamentenbedingte Darmschleimhautreizung

Nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Naproxen können bei manchen Menschen den Magen-Darm-Trakt reizen und den Wert erhöhen. Für Protonenpumpenhemmer wird ein möglicher kleiner Einfluss diskutiert, die Studienlage ist jedoch nicht einheitlich. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Teilen Sie der behandelnden Praxis mit, welche Präparate Sie einnehmen.

Zöliakie und weitere entzündliche Erkrankungen

Eine unbehandelte Zöliakie kann gelegentlich mit einer leichten Erhöhung verbunden sein. Deutlich hohe Werte sind dafür weniger typisch als bei aktiver chronisch-entzündlicher Darmerkrankung oder einer stärkeren Infektion. Weitere mögliche Zusammenhänge gibt es unter anderem bei Pouchitis, Strahlenkolitis, gastrointestinaler Graft-versus-Host-Erkrankung, eosinophilen Darmerkrankungen und bestimmten kindlichen Entzündungen. Die Bewertung hängt immer vom Alter und der Krankengeschichte ab.

SIBO und bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms

Bei einer vermuteten bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms, oft als SIBO bezeichnet, ist der Zusammenhang mit Calprotectin uneinheitlich. Viele Betroffene haben normale Werte. Eine leichte Erhöhung kann vorkommen, sollte aber auch an eine andere oder zusätzliche Ursache der Entzündung denken lassen. Ein hoher Wert sollte daher nicht vorschnell allein SIBO zugeschrieben werden.

Wie ist der Wert bei Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom verursacht typischerweise keine ausgeprägte Erhöhung des fäkalen Calprotectins, weil es keine klassische entzündliche Darmerkrankung ist. Ein grenzwertiger Wert kann jedoch vorübergehend durch eine Infektion oder Medikamente beeinflusst sein. Anhaltende oder zunehmende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.

Ist Calprotectin ein Tumormarker?

Nein. Calprotectin ist kein spezifischer Tumormarker und eignet sich nicht als alleiniger Test zur Darmkrebsfrüherkennung. Auch bei Darmkrebs oder fortgeschrittenen Adenomen kann der Wert durch Schleimhautreizung erhöht sein, er kann aber ebenso bei vielen gutartigen Entzündungen ansteigen. Bei Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust, Eisenmangelanämie, neu aufgetretenen Beschwerden im höheren Alter oder einer familiären Belastung entscheidet die ärztliche Praxis über die geeignete Abklärung, gegebenenfalls einschließlich einer Darmspiegelung.

Welche Infektionen verursachen einen hohen Calprotectin-Wert?

Besonders bakterielle Infektionen des Darms können hohe Werte verursachen. Dazu zählen unter anderem Campylobacter, Salmonellen, Shigellen, bestimmte enteroinvasive oder entero hämorrhagische E.-coli-Stämme und Clostridioides difficile. Parasiten wie Entamoeba histolytica können ebenfalls eine Erhöhung auslösen. Die Höhe des Werts kann die Ursache nicht zuverlässig unterscheiden. Bei akutem Durchfall können deshalb je nach Situation mikrobiologische Stuhltests wichtiger sein als eine isolierte Interpretation des Calprotectins.

Kann Essen den Calprotectin-Wert erhöhen?

Normale Lebensmittel verursachen in der Regel keine deutliche, anhaltende Erhöhung direkt. Eine durch Lebensmittel übertragene Infektion kann den Wert jedoch erhöhen, weil sie eine Darmentzündung auslöst. Auch individuelle Unverträglichkeiten oder Zöliakie können Beschwerden verursachen; sie erklären aber nicht automatisch einen hohen Wert. Eine starke Ausschlussdiät sollte nicht ohne fachliche Begleitung begonnen werden, besonders wenn Gewichtsverlust oder ein Nährstoffmangel besteht.

Welche Beschwerden können dazugehören?

  • anhaltender oder wiederkehrender Durchfall
  • Bauchschmerzen oder Krämpfe
  • Stuhldrang und häufige Toilettengänge
  • Blut oder Schleim im Stuhl
  • Fieber, Müdigkeit oder ungewollter Gewichtsverlust

Diese Beschwerden sind nicht spezifisch. Sie können bei Infektionen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie, mikroskopischer Kolitis, Medikamentenreizungen und funktionellen Beschwerden auftreten. Ein Untersuchungsergebnis sollte deshalb immer zusammen mit dem Beschwerdebild betrachtet werden.

Wann ist eine Darmspiegelung angezeigt?

Es gibt keinen einzelnen Calprotectin-Grenzwert, ab dem bei allen Menschen automatisch eine Darmspiegelung erforderlich ist. Ein deutlich erhöhter oder wiederholt erhöhter Wert kann die Wahrscheinlichkeit einer organischen Darmerkrankung erhöhen und eine weitere Abklärung sinnvoll machen. Bei grenzwertigen Ergebnissen kann zunächst eine Kontrollmessung nach ärztlicher Einschätzung in Betracht kommen, insbesondere wenn eine akute Infektion oder ein möglicher Medikamenteneffekt vorlag.

Ob eine Darmspiegelung oder eine andere Untersuchung notwendig ist, hängt zusätzlich von Alter, Beschwerden, Blutbild, Entzündungswerten, familiärer Vorgeschichte, Stuhltests und Warnzeichen ab. Starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, deutliche Austrocknung, hohes Fieber oder größere Blutmengen im Stuhl erfordern eine rasche medizinische Abklärung.

Wie wird ein hoher Wert sinnvoll eingeordnet?

  1. Ergebnis und Referenzbereich prüfen: Vergleichen Sie den Wert mit dem Bereich des verwendeten Labors.
  2. Beschwerden und Verlauf erfassen: Dauer, Durchfall, Blut, Fieber, Gewichtsverlust und kürzliche Reisen sind wichtige Hinweise.
  3. Infektionen berücksichtigen: Bei akutem Durchfall können Tests auf Krankheitserreger erforderlich sein.
  4. Medikamente nennen: Besonders regelmäßige Einnahme von NSAR sollte angesprochen werden.
  5. Nächste Untersuchung besprechen: Je nach Situation kommen eine Wiederholung, Bluttests, Bildgebung oder Endoskopie infrage.

Bitte verändern oder beenden Sie eine verordnete Behandlung nicht eigenständig. Bei anhaltenden, starken oder sich verschlechternden Beschwerden ist eine qualifizierte medizinische Beratung wichtig.

Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?

Das Darmmikrobiom steht in engem Austausch mit der Darmschleimhaut und dem Immunsystem. Veränderungen in der Zusammensetzung und Vielfalt der Mikroorganismen werden mit verschiedenen Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine bestimmte Mikrobiomzusammensetzung die Ursache eines individuellen hohen Calprotectin-Werts ist.

Eine Mikrobiom-Analyse kann Informationen über mikrobielle Vielfalt und relative Häufigkeiten liefern. Sie ist kein diagnostischer Test für Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Krebs oder eine andere konkrete Erkrankung und ersetzt weder Calprotectin, Stuhltests auf Krankheitserreger noch eine Darmspiegelung. Wer zusätzliche Informationen über das eigene Darmmikrobiom sucht, kann sich über einen Mikrobiom-Test informieren und die Ergebnisse bei Bedarf mit einer qualifizierten Fachperson besprechen.

Häufige Fragen zu hohem Calprotectin

Kann Stress den Calprotectin-Wert erhöhen?

Stress kann Verdauungsbeschwerden beeinflussen, ist aber keine verlässliche Erklärung für eine deutliche oder anhaltende Erhöhung. Bei einem hohen Wert sollten auch Entzündungen, Infektionen und Medikamente berücksichtigt werden.

Wie oft sollte Calprotectin kontrolliert werden?

Das hängt vom Anlass, dem Ausgangswert und den Beschwerden ab. Bei einem grenzwertigen oder unerwarteten Ergebnis kann eine ärztlich geplante Wiederholung sinnvoll sein. Bei einer bekannten chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wird der Verlauf nach dem individuellen Behandlungsplan kontrolliert.

Kann intensiver Sport den Wert beeinflussen?

Sehr intensive Ausdauerbelastung kann vorübergehend den Darm belasten und manche Entzündungsmarker beeinflussen. Ein deutlich und dauerhaft erhöhter Calprotectin-Wert sollte dadurch jedoch nicht einfach erklärt werden.

Kann ein Mikrobiom-Test eine Darmspiegelung ersetzen?

Nein. Ein Mikrobiom-Test liefert zusätzliche, nicht diagnostische Informationen über die mikrobielle Zusammensetzung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine empfohlene Darmspiegelung oder andere notwendige Diagnostik.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein hoher Calprotectin-Wert weist auf eine mögliche Entzündung im Darm hin, benennt aber nicht deren Ursache.
  • Häufige Auslöser sind aktive chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darminfektionen und Divertikulitis.
  • NSAR und möglicherweise weitere Medikamente können den Wert beeinflussen.
  • Ernährung allein verursacht üblicherweise keine deutliche, anhaltende Erhöhung; eine Lebensmittelinfektion kann jedoch eine Entzündung auslösen.
  • Calprotectin ist kein Tumormarker und kein alleiniger Test zur Krebsfrüherkennung.
  • Für die Entscheidung über eine Darmspiegelung zählen Wert, Verlauf, Beschwerden und weitere Befunde zusammen.
  • Ein Mikrobiom-Test kann ergänzende Informationen liefern, ersetzt aber keine medizinische Diagnostik.

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