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Calprotectin bei Morbus Crohn: Wann ist der Wert erhöht?

Calprotectin bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist nicht automatisch erhöht. Der Stuhlmarker kann auf eine aktive Entzündung hinweisen, hängt aber von deren Ausmaß und Ort ab. Ein normaler Wert schließt eine CED nicht sicher aus, während Infektionen, Medikamente und andere Darmerkrankungen den Wert erhöhen können. Dieser Artikel erklärt Grenzbereiche, Aussagekraft und sinnvolle nächste Schritte.
Does IBD always have high calprotectin

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Nein: Calprotectin ist bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht immer erhöht. Der Wert im Stuhl spiegelt vor allem eine aktuelle neutrophile Entzündung im Darm wider. In einer Remission, bei sehr milder Aktivität oder bei einer überwiegend den Dünndarm betreffenden Entzündung kann er im Normbereich liegen. Ein erhöhter Wert ist deshalb ein wichtiger Hinweis, beweist aber allein weder einen CED-Schub noch eine bestimmte Erkrankung.

Was ist Calprotectin?

Calprotectin ist ein Eiweiß, das unter anderem von bestimmten weißen Blutkörperchen, den neutrophilen Granulozyten, freigesetzt wird. Bei einer Entzündung der Darmschleimhaut kann mehr Calprotectin in den Stuhl gelangen. Die Messung ist nicht invasiv und wird häufig genutzt, um eine entzündliche Darmerkrankung von funktionellen Beschwerden abzugrenzen oder den Verlauf einer bekannten CED zu beobachten.


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Der Test misst jedoch nicht die Ursache der Entzündung. Das Ergebnis muss zusammen mit Beschwerden, Krankheitsgeschichte, Blutwerten und gegebenenfalls einer Bildgebung oder Darmspiegelung beurteilt werden.

Welche Calprotectin-Werte gelten als erhöht?

Die Grenzwerte können je nach Labor, Testverfahren und Alter variieren. Für Erwachsene dient folgende Einteilung nur als grobe Orientierung:


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  • Unter 50 µg/g: häufig unauffällig und eher untypisch für eine ausgeprägte aktive Entzündung im Darm.
  • Etwa 50 bis 120 oder 150 µg/g: möglicher Graubereich. Eine leichte Entzündung, eine vorübergehende Ursache oder eine Messschwankung kommt infrage.
  • Über etwa 120 oder 150 µg/g: erhöht und ärztlich abklärungsbedürftig, insbesondere bei passenden Beschwerden.
  • Über etwa 250 bis 300 µg/g: deutlich erhöht und häufiger mit einer aktiven entzündlichen Darmerkrankung vereinbar, aber nicht beweisend.

Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf dem Laborbefund. Ein einzelner Wert sollte nicht isoliert bewertet werden. Bei grenzwertigen Ergebnissen kann je nach Situation eine Verlaufskontrolle sinnvoll sein.

Warum kann Calprotectin bei Morbus Crohn normal sein?

Calprotectin reagiert besonders auf Entzündungen, bei denen viele neutrophile Granulozyten in den Darm einwandern. Bei geringer Krankheitsaktivität oder in einer Remission kann der Wert daher niedrig sein. Auch der Ort der Entzündung spielt eine Rolle: Bei einem auf den Dünndarm begrenzten Morbus Crohn kann Calprotectin weniger deutlich ansteigen als bei einer ausgeprägten Dickdarmentzündung.

Ein normaler Calprotectin-Wert macht eine starke Entzündung weniger wahrscheinlich, schließt Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa aber nicht sicher aus. Bei anhaltenden Beschwerden, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder nächtlichen Symptomen ist deshalb eine ärztliche Abklärung wichtig, auch wenn der Wert unauffällig ist.

Wie aussagekräftig ist Calprotectin?

Calprotectin ist ein nützlicher, nicht invasiver Verlaufsmarker. Ein deutlich erhöhter Wert kann eine organische Entzündung wahrscheinlicher machen und bei bekannter CED Hinweise auf eine Aktivität liefern. Für die Verlaufskontrolle ist oft auch die Entwicklung mehrerer Werte aussagekräftiger als ein einzelnes Ergebnis.

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Der Test ist jedoch nicht spezifisch genug, um allein zwischen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, einer Infektion oder anderen Ursachen zu unterscheiden. Außerdem kann ein niedriger Wert eine begrenzte oder überwiegend im Dünndarm liegende Entzündung nicht zuverlässig ausschließen. Bei widersprüchlichen Befunden entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Was kann den Calprotectin-Wert erhöhen oder beeinflussen?

Ein erhöhter Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine CED aktiv ist. Mögliche Ursachen und Einflussfaktoren sind:

  • Akute Magen-Darm-Infektionen durch Viren, Bakterien oder Parasiten
  • Medikamente, insbesondere nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen; Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden
  • Andere entzündliche Darmerkrankungen, zum Beispiel Divertikulitis, mikroskopische Kolitis oder ischämische Kolitis
  • Blutungen oder weitere Veränderungen im Darm, die ärztlich beurteilt werden müssen
  • Fehler bei Entnahme, Lagerung oder Transport der Stuhlprobe

Auch bei bestimmten Tumorerkrankungen des Darms kann Calprotectin erhöht sein. Der Wert ist deshalb ein Hinweis auf mögliche Entzündung oder andere Veränderungen, aber keine Diagnose.

Ist Morbus Crohn ohne Entzündungswerte möglich?

Ja. Bei Morbus Crohn können Calprotectin und Blutmarker wie das CRP trotz bestehender Erkrankung normal sein. Das ist besonders bei geringer Aktivität, in einer Remission oder bei einer vorwiegend den Dünndarm betreffenden Erkrankung möglich. Umgekehrt können erhöhte Entzündungswerte auch andere Ursachen haben. Beschwerden und Befunde sollten daher gemeinsam betrachtet werden.


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Was tun bei einem erhöhten Calprotectin-Wert?

  1. Befund besprechen: Wenden Sie sich an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder eine gastroenterologische Praxis und nennen Sie aktuelle Beschwerden sowie eingenommene Medikamente.
  2. Mögliche Auslöser prüfen: Eine Infektion, NSAR, eine bekannte CED oder andere Darmerkrankungen können die Einordnung beeinflussen.
  3. Laborgrenzen beachten: Vergleichen Sie den Wert mit dem Referenzbereich des eigenen Labors, nicht nur mit allgemeinen Tabellen.
  4. Weitere Untersuchungen abklären: Je nach Situation können eine erneute Stuhlprobe, Tests auf Krankheitserreger, Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung oder bildgebende Verfahren infrage kommen.
  5. Verlauf beobachten: Bei einer bekannten CED können regelmäßige Messungen helfen, Veränderungen frühzeitig mit dem Behandlungsteam zu besprechen.

Bei starken oder zunehmenden Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen, hohem Fieber, deutlichem Blutverlust, Kreislaufproblemen oder ausgeprägter Schwäche sollte zeitnah medizinische Hilfe gesucht werden.

Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?

Das Darmmikrobiom kann mit der Darmumgebung und der Barrierefunktion der Darmschleimhaut zusammenhängen. Eine Mikrobiomanalyse kann jedoch weder Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa diagnostizieren noch die Aktivität einer CED zuverlässig anhand des Calprotectin-Werts ersetzen. Auch Ernährung, Probiotika oder Nahrungsergänzungsmittel sollten bei einer bekannten CED individuell und möglichst mit medizinischer oder ernährungstherapeutischer Begleitung besprochen werden. Sie ersetzen keine verordnete Behandlung.

Häufige Fragen zu Calprotectin

Wie hoch ist Calprotectin bei Morbus Crohn?

Das lässt sich nicht mit einem festen Wert beantworten. Bei aktiver, insbesondere im Dickdarm gelegener Entzündung kann der Wert deutlich erhöht sein; in einer Remission oder bei begrenzter Dünndarmbeteiligung kann er dagegen niedrig oder normal sein. Die Höhe allein zeigt weder sicher den Ort noch die Ursache der Entzündung.

Bei welchen Erkrankungen ist Calprotectin erhöht?

Erhöhte Werte können unter anderem bei aktivem Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, infektiösen Darmentzündungen, Divertikulitis, mikroskopischer oder ischämischer Kolitis auftreten. Auch bestimmte Medikamente und weitere Veränderungen im Darm können eine Rolle spielen. Eine ärztliche Einordnung ist daher notwendig.

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Was verfälscht den Calprotectin-Wert?

Infektionen, bestimmte Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR sowie eine nicht optimale Probenlagerung oder ein verzögerter Transport können das Ergebnis beeinflussen. Informieren Sie die Arztpraxis über Medikamente und kürzlich aufgetretene Magen-Darm-Infekte. Setzen Sie Medikamente nicht ohne Rücksprache ab.

Kann ein normaler Calprotectin-Wert einen CED-Schub ausschließen?

Nein, nicht in jeder Situation. Ein normaler Wert spricht gegen eine ausgeprägte neutrophile Entzündung im untersuchten Zeitraum, schließt aber eine milde, begrenzte oder überwiegend im Dünndarm liegende Aktivität nicht sicher aus. Bei Beschwerden sollte der Befund im Gesamtzusammenhang beurteilt werden.

Fazit

Calprotectin ist bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht immer erhöht. Der Wert kann bei aktiver Entzündung ansteigen, in Remission oder bei bestimmten Krankheitsverläufen aber unauffällig bleiben. Infektionen, Medikamente und andere Darmerkrankungen können das Ergebnis ebenfalls beeinflussen. Deshalb sollte Calprotectin als Baustein der Diagnostik und Verlaufskontrolle verstanden und von medizinischem Fachpersonal im Zusammenhang mit allen Befunden bewertet werden.

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